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Sie sind hier: Start News und Presse 2009 Auszeichnung für Klinikclowns

Narkotisiert wird mit dem Schaumstoff-Hammer -
In der Neuburger Kinderklinik sind seit fünf Jahren ehrenamtlich Klinikclowns aktiv. Dafür erhalten
sie die Silberdistel
23.06.2009

Quelle: Neuburger Rundschau (Von Claudia Stegmann)

Der Meterstab bringt das Unheil ans Licht. "70 Zentimeter Fieber? Da müssen wir operieren!" Picolino kramt einen großen Schaumstoff-Hammer aus seinem schwarzen Koffer und klopft damit vorsichtig auf Leas Kopf. Narkose muss schließlich sein. Dann wickelt er eine Binde um Leas Stirn und verabreicht ihr Seifenpusteblasen als Medizin. Die Sechsjährige grinst und drückt sich verschüchtert an die Schulter ihrer Mutter. "Die macht dich wieder gesund!", sagt Picolino verschmitzt und schenkt dem Mädchen zum Abschied eine rote Clownsnase. Dann schlappt er in seinen übergroßen Schuhen aus dem Krankenzimmer der Kliniken St. Elisabeth, den schwarzen Behandlungskoffer schleift er wie ein erlegtes Tier hinter sich her.

Seit fünf Jahren schlüpft Sepp Egerer, Pädagoge am Neuburger Jugendzentrum (Juze), in die Rolle des Picolino und besucht zusammen mit Jugendlichen des Jugendzentrums (Juze) Woche für Woche die Kinderklinik in Neuburg.
Ein Konzept gibt es nicht. Stattdessen improvisieren die Klinikclowns aus dem Stehgreif - und das zum Nulltarif. Denn im Gegensatz zu anderen Clown-Kollegen arbeiten die Neuburger ehrenamtlich. Dafür wurden sie unter anderem im vergangenen Jahr von Bundespräsident Horst Köhler ausgezeichnet, ein Jahr davor gab es einen Preis des Zweiten Deutschen Fernsehens. Für ihr Engagement werden die Klinikclowns jetzt auch mit der Silberdistel unserer Zeitung ausgezeichnet.

Klinikclowns
Clowns helfen kleinen Patienten an der Neuburger Kinderklinik, ihre Schmerzen zu vergessen. In der Mitte mit Fliegerbrille der Gründer der Klinikclowns, Sepp Egerer alias Picolino. Foto: Stegmann

Witzbolde mit Froschkostüm und im karierten Frack

Anfangs wollte Sepp Egerer zusammen mit zwei Mitstreitern nur das Essen auf den Stationen verteilen. Doch die drei Witzbolde kamen so gut an, dass Patienten und Krankenschwestern immer schon vor den Zimmern auf die Clowns warteten. Inzwischen ist die Crew auf 15 Freiwillige gewachsen, die abwechselnd im Froschkostüm oder im karierten Frack mit Pudelmütze zu den Kindern und Jugendlichen kommen.

Auch der eine oder andere erwachsene Patient wurde in der Vergangenheit schon mal besucht - nicht immer mit dem erhofften Erfolg. "Ein Patient hat sogar der Schwester geklingelt, weil er sich offenbar belästigt gefühlt hat", erinnert sich Egerer und muss bei dem Gedanken daran lachen. Seitdem sprechen sie sich mit den Krankenschwestern ab und fragen, welche Patienten sie besuchen dürfen.

Momentan sind die Klinikclowns mit 15 Mitgliedern personell gut aufgestellt. Doch das war nicht immer so: Zeitweise war Egerer, selbst Vater von zwei Kindern, sogar allein und musste um sein Projekt fürchten. Damit das nicht wieder passiert, rekrutiert er immer wieder Jugendlichen aus dem Juze.
Doch zum Klinikclown braucht es mehr als nur Zeit und gute Laune. Sensibilität, Einfühlungsvermögen und mitunter eine dickes Fell sind mindestens genauso wichtig. Anfangs habe sich Egerer geschworen, nichts von den Krankenhauserlebnissen mit nach Hause zu nehmen. "Doch das geht nicht", weiß er heute und erzählt von einem kleinen Patienten, der gerade eine Lebertransplantation hinter sich hat und bei dem man nicht weiß, "ob das noch was wird".

Manche Kinder finden die Clowns zum Weinen Zum Glück sind solche Fälle aber die Ausnahme. In aller Regel sind die Kinder nur wenige Tage im Krankenhaus, und da stört es dann auch nicht, wenn das eine oder andere Kind die bunten Gestalten eher zum Weinen findet. "Das kommt jedes Mal mindestens einmal vor", sagt der Pädagoge und zuckt mit den Schultern. Auch Klinikclowns haben ein Berufsrisiko.