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Sie sind hier: Start News und Presse 2009 Mehr als nur Bauchweh

Kinderklinik - Mehr als nur Bauchweh
Seit Oktober stehen psychosomatisch Erkrankten sechs Betten zur Verfügung – damit Körper und Seele im Einklang sind
08.07.2009

Quelle: Neuburger Rundschau (Sarah Wenger)

Eigentlich hatte der Junge doch nur Bauchschmerzen. Ganz gewöhnliche Bauchschmerzen – dachte zumindest seine Mutter, als sie ihren zwölfjährigen Sohn in die Ambulanz des Klinikums St. Elisabeth fuhr. Doch dann stellte sich heraus: Der Bub leidet nicht primär an einer körperlichen Erkrankung. Ihn plagen die ständigen Auseinandersetzungen mit seinen Mitschülern, die Hänseleien, die er tagtäglich über sich ergehen lassen muss.

Holzbetten, Schreibtische und bunte Wände

Der zwölfjährige Schüler leidet unter einer psychosomatischen Krankheit. Wird diese Diagnose gestellt, ist das der erste Schritt auf dem Weg in ein Leben ohne die Krankheit. Dieser Aufgabe hat sich auch die Kinderklinik St. Elisabeth verschrieben. Zwar wurden dort schon immer psychosomatisch kranke Patienten aufgenommen, doch erst seit vergangenem Oktober wurden sechs Betten speziell zur Behandlung dieser Krankheitsbilder bereitgestellt.
„Wir haben jetzt sechs Monate hinter uns und es ist beeindruckend und motivierend, dass bei Patienten mit lange andauernden Krankheitsbildern irgendwann der Knopf aufgeht“, bilanziert Oberarzt Dr. Uwe Ermer. Er arbeitet in einem interdisziplinären Team gemeinsam mit den Kinderpsychotherapeuten Harald Indrich und Anette Sommer, Familientherapeuten, Erziehern, Ergo- und Kunstherapeuten sowie der Krankenhauslehrerin – um nur einen kleinen Teil der beteiligten Kräfte zu nennen.
Chefarzt Ivo Henrichs und sein Team
Seit Oktober hat die Kinderklinik St. Elisabeth sechs Betten für psychosomatisch Erkrankte
zur Verfügung. Foto: Sarah Wenger

„Es braucht eine eigene Ausstattung, die dem Lebensraum des Kindes beziehungsweise des Jugendlichen entsprechen muss“, erklärt Dr. Ivo Henrichs, Chefarzt der Kinderklinik. So gehen die kleinen Patienten weiterhin in die Schule – vom Förderunterricht bis zum Gymnasium – allerdings krankenhausintern. Auch die Zimmer erinnern nicht an das übliche Klinik-Interieur. Die psychosomatisch Erkrankten schlafen in Holzbetten, können ihre Schulaufgaben auf ihrem Schreibtisch ausbreiten und können sich in ihren bunt gefärbten vier Wänden fühlen wie zu Hause. Sie haben eigene Stundenpläne, die ihren Tag strukturieren, um so die „Unordnung, die die Krankheit mit sich bringt, überschaubar zu halten“, erklärt Dr. Ivo Henrichs.

Durch dieses Lebensumfeld ist es möglich, Daten über den Patienten und sein Verhalten zu sammeln. Parallel dazu werden beispielsweise Lehrer und Klassenkameraden des Patienten befragt. Gerade hier wird deutlich: Die sechs Betten in der Kinderklinik St. Elisabeth einzurichten, war dringend notwendig – schließlich wäre für die Kinderkliniken in Augsburg oder München, die als örtlich nächste Kliniken eine solche stationäre Therapie anbieten, solch intensive regionale Datenerfassung nur schwer möglich.

Die Zahlen psychosomatisch erkrankter Kinder und Jugendlicher haben sich in den letzten Jahren auf etwa 110 Patienten pro Jahr eingependelt – allein in der Kinderklinik St. Elisabeth. Die sechs Betten sind daher gut ausgelastet, eine zu lange Wartezeit entstehe aber glücklicherweise noch nicht, sagt Oberarzt Dr. Uwe Ermer. Das ein oder andere Kind müsse natürlich manchmal auch ein wenig warten, doch sei sowieso zunächst ein ambulantes Vorgespräch notwendig, erklärt Kinderpsychotherapeutin Anette Sommer.

Patienten leiden schon ein bis eineinhalb Jahre

Nicht selten muss erst einmal Aufklärungsarbeit geleistet werden: „Die Eltern vergessen häufig, was bereits für eine Strecke hinter ihnen liegt und sehen nur die drei bis vier Wochen Behandlungszeit“, sagt Dr. Ivo Henrichs. Denn: Die kleinen Patienten leiden in der Regel schon ein bis eineinhalb Jahre an den Belastungsfolgen. Zwar würde es nur etwa zehn Tage dauern, die Symptome zu behandeln, doch entscheidend sei das Umfeld, erklären die Ärzte einstimmig. Daran wird in der Kinderklinik seit Oktober gearbeitet – damit die Kinder und Jugendlichen auch über den Klinikalltag hinaus eine positive Wechselwirkung zwischen Seele (Psyche) und Körper (Soma) erfahren.