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Ihr Herz ist groß und offen
17.02.2010

Quelle: Neuburger Rundschau (manfred Reichl)

Generaloberin Sr. Maria Goretti Böck
Generaloberin Sr. Maria Goretti Böck
„Es ist wunderbar für Christus und die Menschen da zu sein.“ Generaloberin Schwester Maria Goretti Böck hat ein Herz, groß und offen. Nicht nur für die Belange ihrer Mitschwestern und der Mitarbeiter des Neuburger Kliniken Sankt Elisabeth, sondern auch für jeden Einzelnen, der zu ihr kommt und ihr seine Sorgen und Nöte erzählt.

Bescheidene Zurückhaltung und ihre immer noch ein bisschen schwäbisch gefärbte Redensweise sind ihre Markenzeichen. Ihr Äußeres: die Kleidung der Elisabethinerinnen des Klosters an der Bahnhofstraße. Am heutigen Donnerstag feiert die beliebte Ordensfrau ihren 70. Geburtstag. Gewünscht hätte sie sich, ihren Jubeltag ohne großes Drumherum zu begehen. Doch jetzt feiert sich doch mit Menschen, die sich gut mit ihr verstehen und ihre Arbeit wertschätzen. Wer als oberste Dienstherrin für mehr als 700 Mitarbeiter und das Konvent der Elisabethinerinnen im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht, der hat auch einer gewissen Pflicht nachzukommen. Die lautet, andere am eigenen Glück teilhaben zu lassen. Und so wird es heute von 17 Uhr bis 20 Uhr in der Krankenpflegeschule eine kleine Feier geben.

Klein, aber doch so gestaltet, dass jeder, der möchte, der geschätzten Ordensfrau alles Gute mit auf den Weg in die Zukunft geben kann. Sie selbst wünscht sich, dass die Gratulanten keine Geschenke mitbringen, dafür aber eine kleine Spende für die Sanierung der Kinderklinik locker machen.

In Donauwörth geboren und zusammen mit acht Geschwistern in Asbach-Bäumenheim aufgewachsen, spürte Schwester Maria Goretti schon als junges Mädchen die in ihr schlummernde und immer stärker werdende Berufung, Gott zu dienen. Von 1958 bis 1961 ließ sie sich im Neuburger Krankenhaus St. Elisabeth zur Kinderkrankenschwester ausbilden. Gleichzeitig fasste sie den Entschluss zum Beitritt in den Orden.

Nach der Einkleidung im Jahre 1959 folgte ein Jahr später die Profess und im Jahre 1963 die ewige Profess. Endlich am gewünschten Ziel angekommen, war es mit dem Lernen aber noch lange nicht vorbei. Nachdem sie bereits auf allen Stationen der Kinderklinik tätig war, wurde ihr ab 1967 die Leitung übertragen. 1976 absolvierte sie an der Fachakademie für Pflegehilfe in Regensburg im Rahmen eines einjährigen Vollzeitunterrichtes die Ausbildung zur Unterrichtsschwester. Im weitesten Sinne war dies gar nicht ihr Wunsch. Lieber wäre sie an der Berufsfachschule für Kinderpflege in Neuburg geblieben, zumal es eine schöne Aufgabe gewesen sei, mit Mädchen zusammenzuarbeiten.

Nur mit Mädchen? Bei dieser Frage kommt Schwester Maria Goretti nicht umhin, zu lächeln. Noch gut erinnert sie sich an einen netten jungen Mann namens Ralph Bartoschek, der unbedingt den Beruf eines Kinderkrankenpflegers erlernen wollte. Weil kein Ausbildungsplatz mehr frei war und es sich damals noch um einen klassischen Beruf für Mädchen handelte, setzte ihn Schwester Maria Goretti auf die Warteliste. Doch der junge Mann war hartnäckig und fragte immer wieder nach. „Schließlich kamen wir seiner Bitte nach. Er war ein sehr guter Schüler.“

Rund 1000 Schülerinnen und Schüler dürften es gewesen sein, die unter ihrer Leitung zu Krankenschwestern oder zur Kinderkrankenschwester ausgebildet wurde. Die Leitung der Schule gab sie ab, nachdem sie 2002 zur Generaloberin ernannt worden war. Eine Aufgabe, die auch Bürde sein kann. Und mitunter auch etwas Strenge abverlangt.

Streng und liebevoll zugleich, Schwester Maria Goretti kann beide Eigenschaften gut miteinander in Einklang bringen. Dies ist auch notwendig, um den pädagogischen Auftrag einerseits und den christlichen Glauben auf der anderen Seite erfüllen zu können.

Ihre 28 Mitschwestern und die Klinik St. Elisabeth liegen ihr sehr am Herzen. Der Tagesablauf ist streng geregelt. 5.30 Uhr Laudis, 6 Uhr Heilige Messe, 11.45 Uhr Gebet, danach Mittagessen und Ruhepause bis 14 Uhr. 18 Uhr Vesper, danach Abendessen. Der Rosenkranz ist unerlässlich.

Zwischendurch gilt es für die Generaloberin das übliche Alltagsgeschäft zu erledigen, wobei die modernen Medien auch vor der Klostertüre nicht Halt gemacht haben. Protokolle schreiben, Rückmeldungen verfassen und an Sitzungen teilnehmen. Bleibt ein bisschen Zeit übrig, widmet sie diese gerne ihrem künstlerischen Hobby: Sie gestaltet Kerzen.

Ordensfrau zu sein, ist für Schwester Maria Goretti Beruf und Berufung zugleich. Ein schöner, vielseitiger und vielschichtiger Beruf, den sie trotz emotionaler Belastungen nicht missen möchte. „Je älter man wird, desto dankbarer ist man, im Kloster sein zu dürfen.“ Seit sie die Leitung übernommen hat, wurde das Schwesternwohnheim generalsaniert, das Ärztehaus eingeweiht, die stationäre Kinder- und Jugendpsychiatrie installiert und das Parkdeck gebaut.

Und so wird sie hoffentlich noch lange für das Kloster und die Klinik einstehen und zudem den lebendigen Kontakt ihres geistlichen Hauses zur Stadt und dem Umland halten - mit Freude, Lachen, Bestimmtheit und Disziplin. „Ich bin davon überzeugt, dass in einem Haus, in dem wahrer Glaube herrscht, auch Freude vorhanden ist“, sagt sie, lächelt, verabschiedet sich und wendet sich mit Begeisterung wieder ihrer Tätigkeit zu.