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Dienst am Kind -
Jugendpsychiatrie 200 Fachkräfte tagen in den Kliniken
21.05.2010

Quelle: Neuburger Rundschau (Barbara Feneberg)

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist ein junges Fachgebiet. Gut 25 Jahre ist es alt und steckt deshalb im Vergleich zu anderen Disziplinen noch teilweise in den Kinderschuhen. So gibt es beispielsweise für Mitarbeiter des Pflege- und Erziehungsdienstes kaum Fortbildungsmöglichkeiten. Aus diesem Grund wurden seit 2005 regionale Fachtagungen an verschiedenen Kliniken organisiert. Dieses Jahr war Neuburg dran.

Gut 200 Teilnehmer und Referenten hatten sich gestern in den Kliniken versammelt und lauschten Fachvorträgen und probierten sich nachmittags in Workshops.
Inhaltlich ging es dabei um soziales Kompetenztraining mit den jungen Patienten, Methodik in der Elternarbeit, Umgang mit essgestörten Kindern oder auch mit Jugendlichen, die sich selbst verletzten. Diskutiert wurde auch über das richtige und sensible Verhalten bei Verdacht, dass Kinder vernachlässigt oder misshandelt werden. In Bayern sind Ärzte bereits dazu verpflichtet, sich in begründeten Fällen ans Jugendamt zu wenden.

Erziehungs- oder Pflegedienstler sind anders als klassische Krankenschwerstern nicht im weißen Kittel bei ihren Patienten, sondern sind mehr als ein Begleiter im Alltag zu sehen. Dieser findet zwar auf der Station statt, doch auch die sieht weniger aus wie ein klassisches Krankenhaus: Es geht bunt zu und die Patienten schlafen nicht in Krankenbetten.

Ausgebildete Erzieher sind begehrte Arbeitnehmer, denn der Bedarf wächst. Dr. Astrid Passavant, Leitende Oberärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Neuburg, berichtet von einer steigenden Zahl an Patienten und immer mehr kranken Kindern und Eltern. Leistungsdruck, eingeschränkter Lebensraum, übermäßiger Medienkonsum statt soziale Kontakte – das alles verhindert eine normale Entwicklung der Kinder.

Immer mehr Kinder sind krank

Die Arbeit mit den kleinen Patienten zwischen drei und 18 Jahren ist gerade auch deshalb eine hohe psychische Belastung für die Pfleger, die 24 Stunden am Tag bei den Kindern sind, mit ihnen essen, spielen und arbeiten.
Zu ihrer Aufgabe gehört auch immer die Arbeit mit den Eltern. „Nie behandeln wir das Kind alleine, sondern innerhalb seines Systems“, sagt Passavant. Doch auch bei den Eltern wird es schwieriger. „Die Nerven liegen schneller blank.“

Chefarzt Dr. Ivo Henrichs (v. links), Geschäftsführer des Berufsverbandes Manfred Rose, Pflegedienstleiterin Gertrud Röhrich, Oberärtzin Dr. Astrid Passavant und Christine Goligowski in der Station der Jugendpsychiatrie in Neuburg. Foto: fene