|
Sanftes Machtwort im Klinik-Streit - Bestandsgarantie für Kinderklinik - Ambulanz als
„Trostpflaster“ für Pfaffenhofen? |
14.10.2011
|
Quelle: Neuburger Rundschau (Alf Geiger)
Erleichterung in Neuburg, Ernüchterung in Pfaffenhofen: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach gestern ein Machtwort im „Klinik-Streit“ zwischen Neuburg und Pfaffenhofen und legte ein deutliches Bekenntnis für die Kinderklinik Neuburg St. Elisabeth ab. Gleichzeitig wollte er natürlich die Hoffnungen in Pfaffenhofen nicht allzu barsch verprellen, die ausgerechnet sein Gesundheitsminister Söder im dortigen Landrats-Wahlkampf geweckt hatte. Seehofer absolvierte diese Gratwanderung im Stile eines wohlwollenden Landesvaters: In Neuburg keinem etwas weg nehmen und in Pfaffenhofen keinem so richtig wehtun.
Im Klartext wird dies bedeuten, dass an den bestehenden 70 Betten in der Kinderabteilung an den Neuburger Kliniken St. Elisabeth auf keinen Fall gerüttelt werden soll, gleichzeitig aber die Forderungen im Raum Pfaffenhofen nach einer besseren medizinischen Versorgung zumindest teilweise erfüllt werden sollen. Gesundheitsminister Söder hatte in Aussicht gestellt, dass dort fünf Betten zur Versorgung von kranken Kindern am Pfaffenhofener Kreiskrankenhaus geschaffen werden sollen. Aus Sicht der Verantwortlichen der Neuburger Kliniken St. Elisabeth wäre dann nicht nur die wirtschaftliche Zukunft der Kinderklinik ernsthaft in Gefahr unter einer „Zerfledderung“ der Standorte würde letztlich auch die anerkannt hohe Qualität der medizinischen Versorgung in der gesamten Region leiden, machte der neue Neuburger Chefarzt Dr. Stephan Seeliger gegenüber Seehofer unmissverständlich deutlich.
Chefarzt haut sich mächtig rein
Mit seiner Entschlossenheit konnte Seeliger punkten und nicht nur Seehofer beeindrucken: „Sehr wohltuend, wie sich der neue Chefarzt ns Zeug geworfen hat“, lobte Landrat Roland Weigert (FW).
Als Seehofer dann nach einem gut einstündigen Arbeits- und Informationsgespräch mit allen Verantwortlichen aus Klinik und Lokalpolitik gemeinsam mit Sozialministerin Christine Haderthauer vor die Presse trat, betonte er in ungewöhnlich deutlicher Form die Bedeutung der Neuburger Kinderklinik als Fixpunkt der medizinischen Versorgung in der Region. Eine Reduzierung der Betten in Neuburg werde es mit ihm nicht geben, stellte Seehofer unmissverständlich klar: „Und da spreche ich für das gesamte Kabinett...“
Ganz staatsmännisch wollte Seehofer das deutliche Ja zum Bestand der Neuburger Klinik natürlich nicht zu einer Ohrfeige für die Wünsche in Pfaffenhofen werden lassen und kündigte gleichzeitig an, dass das weitere Vorgehen in dieser Angelegenheit künftig direkt in seiner Staatskanzlei koordiniert werde. In „enger Kooperation“ mit Neuburg werde nun für das Pfaffenhofener Kreiskrankenhaus eine zukunftsweisende Lösung gesucht, die auch den Bestand der dortigen Geburtsstation langfristig sichern soll. Seehofer ließ durchblicken, dass für eine „Versorgung in Notfallsituationen“ von Kindern und Säuglingen gesorgt werden soll. Hinter vorgehaltener Hand munkelten einige anschließend zwar von einem „Trostpflaster“ für Pfaffenhofen, an der Erleichterung bei den Neuburger Verantwortlichen änderte das jedoch gar nichts. „Ich bin froh, dass es so gelaufen ist“, betonte Klinik-Geschäftsführer Günter Strobl: „Wenn die Leistungsfähigkeit der Neuburger Kinderklinik erhalten bleibt, dann ist das gut für die ganze Region.“
|